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Grundwasser in Gohr


Die Ausgangssituation

Die Ortslage Gohr befindet sich am Rande eines Absenktrichters, der durch die Sümpfungsmaßnahmen zur Trockenhaltung der Braunkohletagebaue Garzweiler II und Hambach verursacht wird. Dadurch liegen die heutigen Grundwasserstände in Gohr im Mittel etwa 2 bis 3 Meter unterhalb der natürlichen, unbeeinflussten Grundwasserstände, wie sie noch Mitte des 20. Jahrhunderts vorlagen.

Mit der zukünftigen Abschwächung des Sümpfungseinflusses können bei hohen Grundwasserständen Gebäudeschäden auftreten. Langfristig werden sich wieder natürliche flurnahe Grundwasserverhältnisse einstellen.

Weiterhin wird heute davon ausgegangen, dass sich bei extremen Witterungssituationen (ohne Bergbaueinfluss) höchste zu erwartende Grundwasserstände in Gohr von bis zu 41,5 m.ü.NHN einstellen können. Bei unterkellerten Gebäuden, die nicht angepasst gegen drückendes Grundwasser gebaut worden sind, kann es infolge hoher Grundwasserstände zu Vernässungsschäden kommen. Es wird mit ca. 250 betroffenen Gebäuden gerechnet.


Das Kappungsmodell

Eine mögliche Lösung bestünde im Bau und Betrieb von Brunnen, um lokal das Grundwasser auf Dauer abzusenken. Für die Ortslage Dormagen-Gohr wurde vom Erftverband im Auftrage des Rhein-Kreises Neuss bereits im Jahre 2003 eine solche „hydraulische Lösung“ entwickelt. Deren Kosten wurden von einem Ingenieurbüro mit 5,24 Mio. Euro für den Invest und 1,06 Mio. Euro für den Betrieb ermittelt.

Zum Schutz der nahe gelegenen Trinkwassergewinnung muss allerdings ein Teil des in der Ortslage geförderten Grundwassers wieder versickert werden. Die obige Kostenermittlung sieht dabei keine möglicherweise erforderliche Nitratreduzierung vor Wiedereinleitung vor. Eine solche würde nach Einschätzung des Gutachters die Maßnahme „im höchsten Maße unwirtschaftlich“ machen. In einem aufwendigen Abstimmungsprozess mit allen Wasserbehörden und dem Wasserwerksbetreiber konnte Akzeptanz dahingehend entwickelt werden, eine Überschreitung des Einleitgrenzwertes für Nitrat hinzunehmen, wenn an alternativen Einleitstellen eine ähnlich hohe Belastung vorliegt. Solche alternative Einleitstellen wurden anschließend vom Erftverband im Auftrage des Rhein-Kreises Neuss ermittelt. Wegen des erst nach Bergbauende allmähliche abklingenden Bergbaueinflusses und der hohen Kosten wird diese „große Lösung“ z. Zt. allerdings nicht verfolgt.

Um aber trotzdem eine Perspektive für die betroffenen Grundstücke zu entwickeln, wurde analog zu anderen betroffenen Gebieten, z. B. im Raum Korschenbroich, eine sogenannte „Kappungslösung“ entwickelt. Dabei wird über lokale Brunnen Grundwasser bei besonders hohen Wasserständen abgepumpt und damit diese Spitzen „gekappt“. Hierdurch kann für einen Übergangszeitraum mit halbiertem Bergbaueinfluss (derzeit 2 bis 3 Meter; etwa bis 2050 Halbierung) 53% der Betroffenen geholfen werden. Ohne Bergbaueinfluss würde eine Kappung der Grundwasserspitzen nur 8% der Häuser helfen.

Mehr als 120 Betroffene in Gohr haben sich für eine Lösung nach dem Gohrer Kappungsmodell entschieden und entsprechende Verträge mit der Stadt Dormagen geschlossen. Das für Gohr entwickelte 3-Brunnen-Kappungsmodell unterstützt der Rhein-Kreis Neuss in freiwilliger Selbstverpflichtung mit 10 % der Investitionskosten. Die Stadt Dormagen beteiligt sich mit 20 % an den Investitionskosten, die restlichen 70 % tragen die Bürgerinnen und Bürger. Die Betriebskosten tragen die Stadt zu 20 % und die Bürger zu 80 %.

Die Umsetzung des Kappungsmodells Gohr ist erst bei Erreichen bzw. Überschreitung definierter Grundwasserstände über einen bestimmten Zeitraum an der Grundwassermessstelle Gohrer Graben erforderlich. Es ist vorgesehen, dass der Erftverband in Abstimmung mit der Stadt Dormagen die drei geplanten Brunnen zur Kappung von Grundwasserspitzen für zunächst zehn Jahre betreibt.
Die aktuellen Grundwasserstände werden monatlich durch den Erftverband ermittelt und können über die oen angeführten Links eingesehen werden.