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Sprachförderung in den ersten beiden Lebensjahren Ihres Kindes

Stadt unterstützt Eltern bei der optimalen Sprachförderung ihres Kindes: Von „Baba“ bis zum richtigen Sprechen

Mit einfachsten Silben wie „ba bab“ fängt es an. Dann kommen erste Wortbildungen in typischer Babysprache  – zum Beispiel „ato“ für Auto oder „sasse“ für Flasche. Ein Kind lernt in den ersten drei bis vier Lebensjahren über die Sprache seine Umwelt zu begreifen und sich erfolgreich zu verständigen. „In diesem frühen Lebensalter werden die Grundlagen für die gesamte Sprachentwicklung eines Menschen gelegt“, erläutert der städtische Jugend-Fachbereichsleiter Gerd Trzeszkowski.

Grund genug für das „Netzwerk für Familien“ in Dormagen, ein Sprachförder-konzept zu entwickeln, das künftig schon deutlich früher als bisherige Fördermaßnahmen in der Kindertagesstätten einsetzt. Mit neuen unentgeltlichen Info-Materialen und Bildungskursen werden Eltern in Dormagen dabei unterstützt, die Sprachentwicklung ihres Kindes bereits in den ersten beiden Lebensjahren optimal zu begleiten und zu fördern.
„Bei den Schuleingangsuntersuchungen des Gesundheitsamtes zeigten sich 2005 bei nahezu 30 Prozent aller Dormagener Kinder Sprachdefizite“, berichtet Uwe Sandvoss vom Jugendamt. „Diese Zahlen waren auch für uns überraschend, insbesondere, weil in Dormagen nahezu alle untersuchten Kinder die Kindertagesstätten besucht haben. Und dort sowohl in der regulären Bildungsarbeit als auch in den speziellen Fördermaßnahmen sehr viel Wert auf Sprachförderung gelegt wurde und wird“, sagt Sandvoss.

Im Netzwerk für Familien (NeFF) kümmerten sich Fachkräfte aus den Kindertagesstätten, eine Logopädin, der Kinder- und Jugendärztliche Dienst des Rhein-Kreises Neuss und das „familienforum edith stein“ sowie die Mitarbeiter des Jugendamtes um Möglichkeiten, auch hier noch früher mit Förderung zu beginnen. Eine erste wichtige Erkenntnis in dieser Arbeitsgruppe des Dormagener Modells war die Feststellung, dass für zahlreiche Kinder die Fördermaßnahmen in den Kindergarten offensichtlich zu spät einsetzen, so dass vorher schon alles daran gesetzt werden muss, Sprachdefizite bei Kindern erst gar nicht entstehen zu lassen.

 „Die zweite wichtige Erkenntnis für uns war, dass es bisher keine praxisorientierten Konzepte gibt, wie Kommunen und Einrichtungen die Eltern bereits in den ersten beiden Lebensjahren ihres Kindes bei der Sprachförderung unterstützen können. Deshalb ist uns nichts anderes übrig geblieben als ein solches Konzept selbst zu entwickeln“, schmunzelt Christiane Jungbeck, Leiterin des katholischen Familienzentrums St. Katharina in Hackenbroich.
Ein zentraler Baustein des neuen Konzeptes: Schon mit dem Babybegrüßungspaket, das Mitarbeiter des Jugendamtes nach der Geburt des Kindes überbringen, erhalten die Dormagener Eltern jetzt einen von den Fachkräften selbst entwickelten Sprachförderkalender. Er zeigt die Phasen der Sprachentwicklung und verdeutlicht, was ein Kind im Alter von neun, zwölf oder achtzehn Monaten schon alles können sollte und macht konkrete Fördervorschläge an die Adresse der Eltern.

Im Ratgeber finden sich so auch ganz praktische Hinweise und Ratschläge, etwa den, dass Eltern ihr Kind beim Anschauen von Kinderbüchern zur Benennung der Bilder animieren sollten („Wie macht die Katze?“). Christiane Jungbeck verdeutlicht die Möglichkeiten des spielerischen Spracherwerbs: „Zu den Grundregeln für Eltern gehört auch, ihrem Kind aufmerksam zuzuhören, es anzuschauen, wenn man mit ihm spricht und es nicht zu verbessern, während es noch redet.“ Eltern sollten die Dinge, für die sich ihr Kind gerade interessiert, immer benennen und kommentieren („Den Ball? Willst du den Ball? Ja, das ist er ja, der Ball“). So erleichtern sie ihm den Spracherwerb.

Passend zu den jeweiligen Altersphasen folgen in dem Ratgeber weitere Hinweise. So sollten Eltern spätestens etwa ab dem zwölften Lebensmonat ihres Kindes die Babysprache abstellen und korrekte Bezeichnungen verwenden (essen statt „ham – ham“ oder schlafen statt „heia“). Um die Eltern auch zum gemeinsamen Singen mit Kindern zu animieren, hat das Familien-Netzwerk zusätzlich ein kleines Liederheft zusammengestellt. „Es enthält auch Lieder in türkischer Sprache, wir wollen ja alle Eltern erreichen“, sagt Uwe Sandvoss.

Die vom Jugendamt geförderten Dormagener Babyclubs bieten künftig zudem zusätzliche Elternbildungskurse zur Sprachförderung an. In den Familienzentren stehen inzwischen Boxen mit Spielen, Büchern und CDs bereit, die von den Eltern unentgeltlich ausgeliehen werden können. Die ersten zehn Boxen im Wert von über 100 Euro wurden dabei von der Firma Ineos gesponsert.

„Mit diesem Modul im Sprachförderkonzept betreten wir in Dormagen wieder Neuland – wie schon bei der Einführung der Elternbesuche nach der Geburt des Kindes“, sagt Fachbereichsleiter Trzeszkowski. Einem weiteren Prinzip ist die Stadt ebenso treu geblieben: Das Projekt wurden erneut im Dialog mit vielen Fachkräften unterschiedlichster Einrichtungen entwickelt. „Ein großes Dankeschön gilt den Mitwirkenden, die sich in vielen, auch ehrenamtlichen Stunden für dieses Ergebnis eingesetzt haben“, resümiert Trzeszkowski.

Nähere Informationen zur frühen Sprachförderung finden hier auf der Seite oder können beim Jugendamt telefonisch unter 02133/257-245 angefordert werden.

Hier können Sie folgende pdf-Dateien herunterladen:

Familienzentren

Informationen
zu den Familienzentren
in Dormagen

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Download des neuen Elternbegleitbuches

Elternbegleitbuch
    (PDF-Datei, 4,2 MB)