Schweißtreibende Schwerstarbeit: Feuerretter tragen im Einsatz bis zu 40 Kilogramm Ausrüstung

Die Atemluftflasche wiegt schwer auf dem Rücken. Unter der Schutzkleidung bilden sich die ersten Schweißtropfen. Es ist heiß in der Wohnung auf der dritten Etage. Feuerwehrmann Kai Boßems (24) und seine Kollegen sind zu einem Küchenbrand gerufen worden. Der Raum ist voller Rauch. Unter den Schutzmasken ist das angestrengte Atmen der Einsatzkräfte zu hören.
„Bei einem Küchenbrand ist das Löschen an sich recht schnell erledigt“, erläutert Boßems, der seine Ausbildung zum Brandmeister im Juni erfolgreich abschlossen hat. Aber egal, ob Küchen- oder Lagerhallenbrand: Im Einsatz tragen die Feuerwehrleute Ausrüstung und Schutzkleidung, die insgesamt rund 40 Kilogramm wiegt.
Allein die Schutzkleidung wiegt mehr als zehn Kilogramm. Sie besteht aus Helm, Schutzmantel und Schutzhose, Stiefeln und Handschuhen. Je nach Einsatzszenario kommt weiteres Equipment hinzu. Bei einem Zimmerbrand gehören zum Beispiel Funkgerät, Handlampe, Atemschutzausrüstung, Rettungsmesser, Feuerwehraxt und Wärmebildkamera dazu. Das Schlauchpaket, das die Retter tragen, wiegt alleine rund acht Kilogramm.
Gerade bei diesen sommerlichen Temperaturen fordert dieses Gewicht den Feuerwehrleuten Höchstleistungen ab. „Wenn es in normaler Kleidung schon warm ist, ist es im Schutzanzug besonders warm – Wärme XXL sozusagen“, sagt Boßems mit einem Lächeln und fügt jedoch ernster hinzu: „Im Einsatz sind wir es gewohnt, bei sehr hohen Temperaturen zu arbeiten. Jeder Feuerwehrmann muss aber dafür sorgen, dass sein Flüssigkeitshaushalt nicht aus dem Gleichgewicht kommt. Deshalb trinken wir – wenn möglich – auf der Fahrt zum Einsatz bis zu einem halben Liter Wasser.“
Um im Einsatz Höchstleistung bringen zu können, trainieren die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner täglich. Einsatzübungen, aber auch Sport gehören dazu. „Rund anderthalb Stunden Kraft- und Ausdauertraining sowie Physiotherapie stehen auf dem Programm“, erläutert Hauptbrandmeister und Nachwuchs-Koordinator Stefan Kemper. Zudem wird auch bei den ehrenamtlichen Einheiten einmal in der Woche ein Einsatz simuliert. In diesen Einsatzübungen werden alle möglichen Szenarien durchgespielt: vom Zimmerbrand über die Rettung von eingeklemmten Personen etwa bei Verkehrsunfällen bis hin zu Gefahrstoffaustritt. Auch werden regelmäßig Tier-, Höhen- oder Tiefenrettung trainiert.
„Die Übungen dienen neben der Wiederholung von wichtigen Abläufen auch dazu, dass unsere Feuerwehrleute ein Gefühl für ihre Schutzkleidung und die Geräte bekommen“, erläutert Kemper. „Wer sich während der Einsatzübung in eine bestimmte Situation schon mal hineingedacht hat, weiß im Einsatz schneller, was zu tun ist. Wir wollen keine Superhelden, sondern Profis, die einen kühlen Kopf bewahren und in Extremsituationen die richtigen Entscheidungen treffen.“
Bei einem Zimmerbrand rücken drei Fahrzeuge mit zehn Feuerwehrleuten der Hauptwache aus. Unterstützt werden sie von zwei örtlichen Einheiten der freiwilligen Feuerwehr. Am Einsatzort eingetroffen, erkundet zunächst der Einsatzleiter die Zugangswege und befragt Hausbewohner und Nachbarn, ob noch jemand im Haus ist. „Die Vorab-Erkundung kann für Menschen und Tiere, die sich etwa in der Wohnung aufhalten, lebenswichtig sein“, betont Kemper. Währenddessen bereiten sich die übrigen Feuerwehrleute auf den Löschangriff vor und warten auf den Einsatzbefehl.
Die wichtigste Regel: „Wir gehen erst in ein brennendes Gebäude, wenn alle Einheiten vor Ort sind. Ein Sicherheitstrupp bleibt als Reserve draußen. Die Kameraden sind unsere Lebensversicherung, sollte uns etwas passieren“, erläutert Kemper.
Im Haus werden die Rettungsleinen aus einem umgehängten Beutel genommen und eingehakt. „Sie dienen zur Menschen- und Selbstrettung. Zudem sichern sie den Feuerwehrleuten den Rückweg“, erläutert Kemper. Für Personen, die in einem rauchverhangenen Zimmer eingeschlossen sind, tragen Feuerwehrleute eine Brandfluchthaube bei sich. Dies ist eine Art Atemmaske mit Filter für die Betroffenen.
Die Dauer eines Einsatzes variiert. „Von der Ankunft bis zum Löschen eines Zimmerbrands vergehen durchschnittlich vielleicht rund 15 Minuten“, überschlägt der 47-jährige Kemper. „Bei außergewöhnlich großen und komplexen Lagen natürlich mehr.“ Boßems nickt zustimmend. Der junge Feuerwehrmann wurde mit 13 Jahren Mitglied der Jugendfeuerwehr und machte sein Hobby später zum Beruf. Neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit ist er weiter Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Norf. „Ein bisschen feuerwehrverrückt, ich weiß. Aber für mich gibt es nichts Schöneres“, sagt der frischgebackene Brandmeister.
Wenn ein Wohnungsbrand gelöscht ist, ist der Einsatz noch längst nicht beendet. „Es muss erst noch entlüftet und geprüft werden, ob Wasserschäden entstanden sind. Außerdem messen wir den CO-Gehalt der Raumluft“, berichtet Kemper. Wenn eine Wohnung nicht mehr bewohnbar ist, unterstützen die Florianer bei der Suche nach einer vorübergehenden Unterkunft für die Betroffenen.
Zurück in der Wache beginnt die Nachbereitung. Die Schutzkleidung muss gewaschen und desinfiziert, das Equipment geprüft und die Schläuche gewaschen werden. „Atemschutzmasken werden auseinandergenommen, gereinigt und anschließend in der Werkstatt wieder zusammengesetzt und geprüft“, sagt Kemper. „Das wird mit der allergrößten Sorgfalt gemacht. Denn im Ernstfall ermöglichen uns diese Geräte das Atmen, wo eigentlich keine Luft zum Atmen mehr ist.“ So ein bisschen Superhelden sind sie also doch.

Hintergrund:
Die Feuerwehr Dormagen besteht aus rund 100 hauptberuflichen und mehr als 300 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten. Neben der Hauptwache an der Kieler Straße gibt es in Dormagen acht weitere Feuerwehrgerätehäuser. Die größten sind mit jeweils mehr als 60 Feuerwehrleuten in Nievenheim und Mitte. Stürzelberg hat rund 40 Feuerwehrleute und Hackenbroich, Delhoven, Straberg, Gohr und Zons haben jeweils rund 30 Mitglieder. Zudem gibt es noch den Musikzug mit etwa 35 Mitgliedern.
Die Jugendfeuerwehr Dormagen ist die größte im Rhein-Kreis Neuss mit mehr als 100 Mitgliedern. Bei der Kinderfeuerwehr sind die rund 20 Mitglieder zwischen sechs und zehn Jahre alt, die Jugendfeuerwehr richtet sich an alle zwischen zehn und 17 Jahren. Interessierte wenden sich telefonisch an  02133 257 137, weitere Informationen zu allen ehrenamtlichen Feuerwehren gibt es unter www.freiwillige-feuerwehr.nrw.

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