Das römische Durnomagus auf dem Weg zum Welterbe

Der Niedergermanische Limes und Dormagen

Die Dormagener Innenstadt ist reich an Geschichte. Wo heute das Historische Rathaus steht, befand sich zu römischer Zeit ein Reiterkastell, das die Rheingrenze zu Germanien bewachte. Überreste der einstigen Kastellmauer sind auf dem Rathausplatz noch sichtbar. Geht man vom Platz aus die Treppe zu der Straße Unter den Hecken hinunter, befindet man sich bereits im Bereich des Rheinverlaufs zu römischer Zeit.
Das Kastell wurde ab etwa 80 n. Chr. zur Sicherung des Niiedergermanischen Limes erbaut. Es war etwa drei Hektar groß und erstreckte sich zwischen der Heerstraße, die von Köln nach Neuss führte (Kölner Straße), der heutigen Römerstraße und der Nettergasse. Die antiken Toreingänge sind durch Heckenpflanzungen an der Castellstraße gekennzeichnet.

In dem Hilfstruppenlager war eine Ala (Reitertruppe) untergebracht. Sie bestand aus 16 turnae (Reiterzügen) zu 30 Mann. – insgesamt also rund 500 Soldaten. Das Kastell wurde zunächst in Holz-Erde-Bauweise mit vorge-lagerten Gräben errichtet. Um ca. 150 n. Chr. entstanden Steinmauern (185 x 165 Meter). Durch einen Großbrand wurde das Lager Durnomagus um 161/162 n. Chr. vernichtet. Mitte des 3. Jahrhunderts wurde es wieder genutzt – offenbar von Bewohnern des Ortes. Anfang des 4. Jahrhunderts entstand in der Nordostecke des alten Lagers ein kleineres spätantikes Kastell (ca. 60 x 60 Meter), das wahrscheinlich noch bis um 450 n. Chr. militärischen Zwecken diente.

Über die Geschichte des römischen Hilfstruppenlagers Durnomagus informiert eine Ausstellung im ersten Obergeschoss des Historischen Rathauses. Dort werden ein Modell und auch archäologische Fundstücke wie eine prächtige Reitermaske, Waffenüberreste, Zierbeschläge von Pferden und Alltagsgegenstände wie Tongeschirr, Schreibwerkzeug und ein Tafelspiel gezeigt.

Welterbeantrag bei der Unesco

Der Niedergermanische Limes soll von der Unesco zum Welterbe erklärt werden. Darauf haben sich die beiden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie die benachbarten Niederlande in einer internationalen Kooperationsvereinbarung verständigt. Der einstige Grenzabschnitt des römischen Imperiums erstreckt sich über eine Länge von 385 Kilometern von Remagen bis zur Nordseeküste. Dieses größte lineare archäologische Denkmal in Europa besteht aus militärischen Forts, Siedlungen, Häfen und Schiffsfunden entlang des ehemaligen Flussverlaufs. Dormagen mit seinem Reiterkastell ist eine von 27 Fundstätten in NRW, denen dabei besondere Bedeutung zukommt.

Experten räumen diesem Vorhaben gute Chance ein, da der Hadrianswall in Großbritannien, der Antoninus-Wall in Schottland und der Obergermanisch-Rätische Limes in Deutschland, Österreich und der Schweiz ebenfalls schon als Welterbe anerkannt sind. Der Welterbeantrag wurde im Januar 2020 bei der UNESCO gestellt. Die Entscheidung wird für Mitte 2021 erwartet.

Für Dormagen ist der Welterbe-Antrag eine Chance, das Bewusstsein für die römische Vergangenheit noch weiter zu stärken und in Zusammenarbeit mit benachbarten Limes-Partnern wie dem Haus Bürgel in Mon-heim und dem Clemens-Sels-Museum in Neuss künftig zusätzliche Touristen anzulocken, die auf antiken Spuren unterwegs sind. Römische Welterbestätten sind zum Beispiel auch die Porta Nigra in Trier, das Kolosseum in Rom oder Pompeji. In Dormagen sind zwar keine kompletten Bauten aus antiker Zeit erhalten. Dennoch handelt es sich für Historiker und Archäologen um ein besonders gut und umfangreich erforschtes Beispiel eines Hilfstruppenlagers.

Weitere römische Fundstätten

Zu dem Kastell Durnomagus gehörte ein vicus (Lagerdorf). Diese Siedlung befand sich entlang der Kölner Straße in nördlicher und südlicher Richtung. Beim Bau des katholischen Pfarrzentrums Römerhaus wurden
1979 die Überreste eines Wohnhauses aus römischer Zeit gefunden. Es handelt sich dabei um einen Vorratskeller, der heute als Ausstellungsraum für zahlreiche örtliche Fundstücke aus der römischen Epoche genutzt wird. Dazu gehören etwa Grabbeigaben, die den Verstorbenen auf den Weg mit ins Jenseits gegeben wurden, Gebrauchskeramiken und andere Alltagsgegenstände wie ein Tintenfass.

Als militärischer wie auch ziviler Knotenpunkt war Durnomagus bereits in der frühen Kaiserzeit an das bis nach Gallien reichende Verkehrs- und Straßennetz angeschlossen. Zwar sind die meisten dieser Verkehrswege heute unter modernen Straßen oder aber in landwirtschaftlich genutzten Feldern verschwunden, doch künden drei im Römerkeller ausgestellte Weihesteine noch immer von den einstigen Handelsrouten, die selbstverständlich auch in Kriegs- und Krisenzeiten eine wichtige Rolle spielten und die die römische Herrschaft entlang des Rheins über Jahrhunderte hinweg sicherten. Die hier präsentierten Weihesteine wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit als Dank an die Götter von Reisenden gestiftet, die ihre Reise sicher und wohlbehalten hinter sich gebracht hatten.

Der Römerkeller wird vom Geschichtsverein Dormagen betreut und kann nach telefonischer Vereinbarung besichtigt werden (02133/244287).

Weitere Fundstätten aus römischer Zeit sind eine bedeutende Militärziegelei in der Nähe des heutigen Freibads RömerTherme und ein großer Guthof (villa rustica) im Stadtteil Nievenheim, der unter anderem zur Versorgung der in Dormagen stationierten Reitereinheit mit Lebensmitteln und Pferden dienten.

Das Konzept für die Präsentation in Dormagen kann hier eingesehen werden.

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